Strom im Wohnmobil verlegen


Strom im Wohnmobil verlegen

 

Beim Strom im Wohnmobil verlegen wird’s spannend …

Strom im WohnmobilImmer wieder lese ich im Internet Fragen zum Thema Strom im Wohnmobil.

Brauchst du wirklich 230V- Netzstrom oder reichen auch 12 Volt, welche Sicherungen, welche Kabel, was ist bei der Verlegung zu beachten, wie funktioniert das mit einer Solaranlage, was heißt „Allpolig abschalten“, was macht ein FI-Schutzschalter usw. usw.

Fragen über Fragen und eine große Unsicherheit, ob du den Strom im Wohnmobil als Selbstausbauer selbst verlegen kannst?

Ist das alles für dich Fachchinesisch oder zu oberflächlich und du verstehst nur Bahnhof?

Das Thema „Strom in Wohnmobil“ ist umfangreich, aber das soll dich nicht abschrecken.

Ich möchte das Thema Strom hier gerne möglichst Praxisnah und verständlich behandeln. Überflüssige theoretische Betrachtungen werde ich weglassen. So ganz ohne geht’s zwar auch nicht, da die Theorie nun mal wichtig ist für das Verständnis, aber wir wollen uns nicht darin verzetteln.

Es wird aufgrund des Umfanges mehrere Kapitel geben. Das schafft Übersichtlichkeit und fördert das Verständnis für die einzelnen Zusammenhänge.

Die wichtigsten Dinge werde ich in Infoboxen verpacken – für die Überflieger.

Strom im Wohnmobil: Grundlagen 

Bevor die Funken fliegen...

Bei allen Arbeiten an der Elektrik, bei denen die Batterie abgeklemmt werden muss:

  • IMMER zuerst den Minuspol abklemmen, da der Minuspol auch dem Massepol (Karosserie) entspricht, kann es nicht mehr zu einem Kurzschluss kommen, wenn man irgendwo anstößt.
  • Erst dann den Pluspol abklemmen. Sollte man jetzt damit etwa gegen das Chassis stossen, so macht das nichts mehr aus. Die Verbindung über Masse/Minuspol besteht ja nicht mehr. Es kann also keinen Kurzschluss mehr geben.
  • Hab Respekt vor der elektrischen Energie im Fahrzeug. Immer wieder höre ich „… sind doch nur 12 Volt“. Das stimmt, das ist wenig. Gefährlich ist hier auch nicht die Spannung, sondern der hohe Strom, der bei Batterien mit hohen Kapazitäten fließen kann. Diese hohen Ströme sind in der Lage bei einem Kurzschluss Lichtbögen zu erzeugen, die dir das Augenlicht nehmen können. Sie können problemlos deine Kabel zu kleinen heißen Kupferperlen schmelzen und dir schwere Verbrennungen zufügen. Also bitte nimm Elektroarbeiten nicht auf die leichte Schulten. Du kannst dich nicht nur selbst böse verletzen, auch das Fahrzeug ist schnell mal abgefackelt.

Strom im Wohnmobil: Das solltest du wissen

Autobatterie-WohnmobilIn jedem Wohnmobil ist eine sogenannte Fahrzeugbatterie verbaut. Diese dient dazu den Motor anzulassen, das Radio zu versorgen oder den Zigarettenanzünder zum Glühen zu bringen. Da erzähl ich dir jetzt aber wohl nichts neues.

Von der Fahrzeugbatterie wollen wir erst mal noch die Finger weg lassen. Würden wir diese durch unsere Verbraucher im Wohnmobil entleeren, dann springt die Karre nicht mehr an. Wollen wir nicht.

Die Fahrzeugbatterie ist gebaut, um für eine kurze Zeit hohe Ströme zu entnehmen, etwa beim Anlassen des Motors. Sie wird bei der Fahrt immer wieder durch die Lichtmaschine aufgeladen.

Hier wollen wir uns jedoch mit dem Strom im Wohnmobil  für den Aufbau und mit der Wohnraumbatterie (Aufbaubatterie) befassen.

Strom im Wohnmobil verlegen: Die Wohnraumbatterie

Die Fahrzeugbatterie und die Wohnraumbatterie sind von ihren Anforderungen völlig unterschiedlich und so muss man sie auch behandeln. Man kann diese beiden Batterien über ein Trennrelais koppeln, aber das wollen wir erst später etwas genauer betrachten.

Die Wohnraumbatterie hat genau entgegengesetzte Anforderungen wie die Fahrzeugbatterie zu erfüllen. Man möchte aus ihr möglichst lange Strom entnehmen können. Dieser muss dafür aber nicht so hoch sein.

Die Verbraucher im Wohnraum benötigen nicht so hohe Ströme, wie zum Beispiel der Anlasser. Bei der Wohnraumbatterie geht es letztlich darum, über möglichst lange Zeit diese Energiequelle anzapfen zu können.

Auch die Wohnraumbatterie müssen wir aber irgendwann wieder aufladen. Hierzu gibt es dann Ladegeräte oder Solarstrom.

Der Begriff Batterie ist hier übrigens nicht ganz richtig. Wir sprechen über Energiespeicher, welche wir wieder aufladen können und die heißen „Akkumulatoren“, allgemein bekannt als Akku.


230 Volt – Strom im Wohnmobil verlegen

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob 230 Volt Netzstrom im Wohnmobil überhaupt erforderlich ist.

Nun, das hängt natürlich davon ab, was man vor hat. Bei mir ist es so, dass ich den Kühlschrank über 12 /230 Volt betrieben will.

Auch die Beleuchtung soll später über 12 Volt laufen. Zusätzlich möchte ich gerne einen kleinen Fernseher im Wohnmobil für die Schlechtwetterphasen oder lange Abende.

Notebook, Handy und eBook-Reader, alle wollen gerne wieder aufgeladen werden.

Geht auch über Solar. Richtig!

Wenn ich auf einem Stellplatz unter Bäumen stehe, bin ich aber wahrscheinlich heilfroh Strom im Wohnmobil zu haben. Mit Solar geht da eher nix.

Warum möchte ich unbedingt einen 230 Volt Anschluss im Wohnmobil verlegen

Ganz einfach, ich möchte meine Batterie darüber wieder aufladen können. Und wenn ich auf einem Camping- oder Stellplatz stehe, kann ich das Womo an den Strom anschließen, meine Batterien werden geladen und gleichzeitig wird kein Strom aus meiner Batterie verbraucht.

Ich muss mir in diesem Fall also keinerlei Gedanken über meinen Stromverbrauch machen.

Das sind für mich bereits ausreichend Gründe einen 230 Volt-Anschluß zu realisieren.

Strom im Wohnmobil: Was ist nun beim solchen Anschluß zu beachten

Wissen 230 Volt Anschluß

Aussensteckdose WohnmobilDer 230 Volt Netzstrom gelangt über den eingebauten CEE-Stecker ( Cekon-Steckverbindung) in das Wohnmobil. Von diesem Stecker geht dann ein Kabel ab, was zur Elektrobox führt.

Diese Elektrobox kann ein fertiges Modul sein, oder auch nur eine spezielle Stelle im Womo , wo die elektrischen Komponenten entsprechend geschützt verbaut werden.

Bei mir wird dies in der Sitzbank sein. Klappt man den Sitz der Sitzbank hoch, so kommt man bequem an die Elektrik. Dort ist es sicher und trocken – ein guter und zentraler Platz also. Ausserdem spare ich mir so weiteren Platz im Heck, zugunsten einer besseren Zuladung.

Strom im Wohnmobil: Vorschriften

Wie bereits erwähnt, gelten für Strom im Wohnmobil verlegen ganz bestimmte Vorschriften für die Elektroinstallation.

Diese findet man in den sogenannten VDE-Bestimmungen.

Die für uns relevanten Bestimmungen im Wohnmobil sind:

  • VDE 0100-721;
  • VDE 0100-708;
  • VDE 0100-754

Wichtig sind hier folgende Einzel-Bestimmungen:

  • Als Zuleitung vom Stromanschluss zum Wohnmobil darf nur eine flexible Gummischlauchleitung* vom Typ H07RN-F 3G 2,5 (oder besser) mit den zugelassenen CEE-Steckverbindungen benutzt werden. Diese darf maximal 25 m lang sein. Kürzere Zuleitungen sind erlaubt.
  • Als Übergangspunkt von aussen in das Wohnmobil darf ebenfalls nur ein CEE-Gerätestecker nach DIN 49 462 T2 benutzt werden.
  • Vom Schutzleiteranschluss dieses Steckers muss ein Potentialausgleich zum Chassis des Wohnmobil hergestellt werden. Dieser muss mindestens einen Querschnitt vom 4 qmm haben und mit einem grün/gelben Potentialausgleichskabel ausgeführt werden.
  • Die interne Verdrahtung innerhalb des Wohnmobil muss mit mindestens H07V-K 1,5 qmm oder H07RN-F 3G 1,5 qmm Kabel ausgeführt werden. Alle Verbindungen müssen in mechanisch geschützten Verteilerdosen hergestellt werden und bei allen Verbrauchern ist der Schutzleiter anzuschließen.
  • 12 Volt und 230 Volt Leitungen im Wohnmobil müssen getrennt voneinander verlegt werden. Somit müssen also jeweils getrennte Rohre verlegt und Dosen installiert werden.
  • Zusätzlich sind unverwechselbare Lampenfassungen für 12 Volt und für 230 Volt vorgeschrieben.
  • Im Eingang zum Elektroblock ist in der 230 Volt-Hauptzuleitung ein entsprechender FI-Schutzschalter* zu installieren.

Hinter dem FI-Schutzschalter wird dann der Strom, über verschiedene einzelne Stromkreise mit den zugehörigen Sicherungen, zu den Verbrauchern verteilt.  Diese sind in meinem Fall lediglich ein paar einzelne Steckdosen im Wohnbereich, ein Ladegerät welches die Wohnraumbatterie mit Strom versorgt und der Kühlschrank. Ich werde einen Kompressor-Kühlschrank einsetzen, da mir der Aufwand für einen Absorberkühlschrank einfach zu hoch ist.

Der Kompressorkühlschrank läuft dann über  12 V/230 V, je nachdem was gerade zur Verfügung steht.

FI-Schutzschalter mal ganz einfach erklärt

FI-Schutzschalter

FI-Schutzschalter*

Der FI-Schutzschalter (FI oder auch RCD, von engl. Residual-Current Device) ist unsere Lebensversicherung im Wohnmobil.

Funktionieren tut er ganz einfach. Der FI vergleicht den Strom, der in die elektrische Anlage hinein fließt, mit dem Strom welcher aus der Anlage wieder hinaus fließt. Sind diese beiden Ströme gleich, ist alles in Ordnung, da nirgendwo Strom unerlaubt abfließt.

Besteht ein Fehler in der elektrischen Anlage oder ein Mensch berührt stromführende Teile, so fließt über die Fehlerstelle oder auch über den Menschen ein Teil des Stromes gegen Erde (Masse) ab und geht so verloren. Jetzt gibt es plötzlich eine Differenz zwischen dem Strom der in die Anlage fließt und dem Strom der die Anlage verläßt. Das merkt der FI-Schutzschalter und schaltet die Anlage innerhalb von Millisekunden ab. Dies tut er so schnell, dass dem Menschen nichts passiert. Daher nennt man FI-Schutzschalter mit nur 10mA Auslösestrom auch Personenschutzschalter.

Die Funktion des FI-Schutzschalters kannst du prüfen, in dem du den Prüfknopf auf dem FI betätigst.

Wie merkt der RCD eigentlich, wenn Strom irgendwo verschwindet?

Der FI-Schutzschalter enthält einen sogenannten Summenstromwandler. Das sind  elektromagnetische Spulen, durch die der Strom hinein und durch eine andere Spule wieder hinaus fließt. Sind die Ströme gleich, so heben sich die Magnetfelder der beiden Spulen auf und es passiert nichts weiter. Sind die Magnetfelder unterschiedlich, wird mit dem daraus resultierenden Magnetfeld ein Mechanismus ausgelöst, der für eine allpolige Abschaltung sorgt.

Steht man mit dem Wohnmobil auf deutschen Camping- und Stellplätzen sind FI-Schutzschalter bereits in den Verteileranlagen installiert und vorgeschrieben.

Hier bräuchte man also genau genommen keinen eigenen FI-Schutzschalter im Fahrzeug. Im Ausland allerdings ist das eher nicht der Fall. In manchen Ländern sind solche Vorrichtungen nicht einmal bekannt. Also lieber den eigenen FI einbauen und auf jeden Fall sicher sein.

Strom im Wohnmobil: Kabel in Dosen verklemmen

Zum Verklemmen von Kabeln im Womo müssen entsprechende Verteilerdosen* benutzt werden.

Wie man eine solche Verteilerdose richtig montiert zeigt das folgende YouTube-Video. Auch wenn die darin gezeigten Kabel nicht im Wohnmobil verwendet werden dürfen, es ist der falsche Kabeltyp, so wird die grundsätzliche Vorgehensweise sehr schön und kurzweilig dargestellt.

Im nächsten Teil zu

„Strom im Wohnmobil“

werde ich dich mit den verschiedenen Batterietypen und deren Eigenschaften vertraut machen.

Weitere Beiträge zur Elektrik in deinem Wohnmobil:


Haftungsausschluß

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass dieser Artikel nicht einen kompetenten Fachmann ersetzt, welcher bei Bedarf die Anlage installiert. Alle Elektroarbeiten, auch im Wohnmobil, müssen den einschlägigen VDE-Vorschriften entsprechen.

Ich übernehme weder für Fehler und/oder Neuerungen im Beitrag noch für Beschädigungen, die bei einem Nachbau meiner Vorschläge entstehen die Haftung.

Ich schildere in diesem Beitrag lediglich wie ich meine Anlage aufgebaut habe bzw. aufbauen will.

Dieser Artikel dient ausschließlich dazu, dem Selbstausbauer ein Grundwissen über die verschiedenen Möglichkeiten zu vermitteln und soll keine Aufforderung zum Nachbau sein. Wer dennoch seine Elektroanlage selbst installiert, handelt auf eigene Gefahr und Verantwortung.


Über Andreas

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